Einfluss der Medikation für IBD auf die Schwere einer COVID-19-Erkrankung: Eine Metaanalyse

Da entzündliche Darmerkrankungen – IBD (inflammatory bowel disease) – in ihrer Häufigkeit stetig zunehmen und die medikamentöse Behandlung durchaus das Immunsystem beeinflusst, wurde es im Rahmen des Auftretens der Covid-19-Pandemie wichtig, zu erforschen, inwieweit die Medikation Auftreten und Verlauf der neuen Erkrankung mitbestimmt. Untersucht wurden 5-Amino-Salicylsäure (5-ASA), Corticosteroide, Immunomodulatoren, Biologica, wie Infliximab oder Adalimumab (TNFα-Blocker), Tofacitinib (JAK-Inhibitor), Vedolizumab (nur im Darm lokal wirksamer Integrin-Antagonist) oder Ustekinumab (IL12 und IL23-Hemmer). Dabei zeigte sich, dass schwere Verläufe von Covid19 unter 5-ASA-Therapie, sowie unter Corticoiden vermehrt auftraten. Daher wird empfohlen, in Gebieten, in denen Covid19 besonders häufig auftritt, besonders Corticoide nur sparsam und in der niedrigst möglichen Dosierung zur IBD einzusetzen. Durch Corticoidgabe kann sich sonst das Virus bei Krankheitsbeginn ungehindert vermehren und zu einem schweren Krankheitsverlauf führen. In späteren Krankheitsstadien erweist sich die Corticoidgabe allerdings durchaus als vorteilhaft wegen der damit verbundenen starken Entzündungshemmung. Der Einsatz von 5-ASA sollte vor allem bei multimorbiden und älteren Patienten grundsätzlich in Zukunft besser durchdacht werden. 

Die Gabe von TNFα-Blockern sowie auch von Ustekinumab erscheint sogar vorteilhaft im Rahmen der neuen Erkrankung, da durch spezifische Hemmung von Zytokinen der im Rahmen von Covid19 auftretende Zytokinsturm vermindert wird. 

Alle übrigen Medikamente haben keinen offensichtlichen Einfluss auf die neue Erkrankung. Vor diesem Hintergrund wird empfohlen, die Medikation für IBD auch in dieser Pandemie weiter fortzusetzen. Die Einschränkungen für Corticoide gelten wie oben erwähnt. 

Fatema Alrashed, Batratt Robert et al.“Impact of medical therapies for inflammatory bowel disease on the severity of COVID-19: a systematic review and meta-analysis”, BMJ Open Gastro 2021;8:e000774. doi:10.1136/ bmjgast-2021-00077, 1.11.2022 

Fatema Alrashed arbeitet im Pharmacy Practice, MCPHS University, Boston, Massachusetts, USA. 

Batratt Robert arbeitet am Department of Medicine, Weill Cornell Medical College, New York, New York, USA.