High-Speed Medikamente aus Österreich

Das Grazer Research Center Pharmaceutical Engineering (RCPE) hat eine High-Speed-Technologie entwickelt, mit der die Produktion von Medikamenten enorm beschleunigt wird. Mit diesem neuen Verfahren kann ganz Österreich innerhalb kürzester Zeit mit spezifischen Wirkstoffen versorgt werden.

„Eine Revolution in der Medikamentenproduktion“, nennt es Univ.-Prof. DI. Dr. techn. Johannes Khinast, Professor an der TU Graz, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des RCPE Forschungszentrums. Das steirische Kompetenzzentrum ist ein weltweit führender Player im Bereich des pharmazeutischen Engineerings, an dem auch die Universität Graz beteiligt ist. Jetzt hat das Team rund um Univ. Prof Khinast ein neues Verfahren entwickelt in dem Medikamente in Rekordzeit auf den Markt gebracht werden können.

Bisher dauerte die Entwicklung von Impfstoffen oder Medikamenten oft einige Jahre. Mehrere, voneinander abgetrennte Prozessschritte sind nötig. Jeder Einzelschritt wird überprüft und freigegeben. Somit ist die Produktion zeitintensiv und kostenaufwendig. „Eine normale medizinische Produktion inklusive Wirkstoff dauert in der Regel zwischen einem halben und einem ganzen Jahr. Ein schnelles Hochfahren der Produktion ist bei traditionellen Produktionsverfahren nicht möglich“, so der TU-Professor.

High-Speed-Technologie aus Graz 

Mit der neuen Technologie können Medikamente in Rekordzeit in Österreich produziert werden. „Gerade die Corona Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die Produktionszeiten von Medikamenten und Impfstoffen ist“, meint Khinast. Vor allem personalisierte Medikamente können rascher auf den Markt gebracht werden: „Mit dieser Anlage können wir in einer Woche zwischen fünf und zehn Millionen Tabletten produzieren“, erklärt Univ.-Prof. DI. Dr. techn. Khinast.“ 

Pilotanalage: Schnell, kostengünstig, gesteigerte Produktqualität

Mit der neuen Fertigungsmethode können Medikamente kostengünstiger und mit besserer Qualität auf den Markt gebracht werden. Die TU Graz hat auf ihrem Gelände bereits eine Pilotanlage gebaut. In dieser laufen synthetische Chemie, chemische Verfahrenstechnik, Prozessanalytik, Anlagen- und Prozessentwicklung, Simulationswissenschaften, additive Fertigung und kontinuierliche Durchflusschemie zusammen. Die für eine komplexe Synthese benötigten Substanzen werden durch Reaktionskammern im Mikroliterbereich gepumpt. Darin laufen die einzelnen Prozesse nacheinander ab. Gemeinsam mit dem Land Steiermark bemüht man sich derzeit um eine fixe österreichische Anlage, die Engpässe in der Medikamentenproduktion verhindern soll.

„Die Verknüpfung von Präzisionsmedizin mit einer hocheffizienten
Produktion könnte Österreich zu einem Leuchtturm für Europa
beziehungsweise für die Welt machen.“ (Univ.-Prof. Di. Dr. techn. Johannes Khinast)

Die vielversprechende Technologie wird bereits an weiteren Projekten erprobt. Khinast: „Diese Technologie möchten wir in Zukunft auch für mRNA-Vakzine verwenden. Ein Micro-Mixer kann etwa 15 mg mRNA pro Minute produzieren. Innerhalb von zwei Wochen wäre damit das gesamte Kontingent für Österreich produziert“, so der wissenschaftliche Leiter. Medikamente müssen einfach so schnell wie möglich für Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen – sind sie doch für die meisten die einzige Behandlungsoption.

Flexibel durch Continous Manufacturing

Die Flexibilisierung ist derzeit die größte Herausforderung in der Arzneimittelproduktion. Bisher wurden riesige Stückzahlen von Tabletten in einzelnen Chargen produziert. „Mit unserer neuen Technologie lassen sich auch kleinere Mengen effizient herstellen. Geringe Abfallkosten und eine rasche Qualitätskontrolle in Echtzeit reduzieren die Kosten pro Tablette“, erklärt Khinast. Denn eine einzige Maschine deckt alle Produktionsabläufe ab: Von der Dosierung und Mischung, Nass- oder Schmelzgranulation, Trocknung und Kühlung, sowie Tablettierung und Beschichtung.

Steirische Wirtschaftssäule

Insgesamt sieben Innovations- und Forschungszentren sind die Schlüsselstellen in der steirischen Wirtschaftsstrategie. Mit 37.500 Fachkräften in den Bereichen Life Science, Pharma und Medizintechnik, die einen Jahresumsatz von 4,1 Mrd. Euro erwirtschaften, zeigt das die Wichtigkeit der Industrie und der Forschungsimpulse in der Region.